Tafel 37 Die Gedenkstätte

Tafel 37 Die Gedenkstätte

Die Gedenkstätte

Tafel 37

Auszug aus einer Zusammenfassung: „Diskussionsprozess um die Neugestaltung des Gedenkortes in Ashausen“, von Kim-Jasmin Menssing

Die ersten „Kriegerdenkmäler“ auf deutschem Gebiet entstanden Anfang des 19. Jahrhunderts nach den Deutsch-Französischen Kriegen gegen Napoleon. Als Vergegenwärtigung der Bedeutung des Kriegsheldentums wurden sie an zentralen Orten wie Kirchen, Friedhöfen, Schulen oder Rathäusern aufgestellt und sind damit bis heute Abbilder der Militarisierung im deutschen Reich. Nach dem ersten Weltkrieg wurden die Kriegerdenk- mäler dann zunehmend errichtet, um das Bedürfnis der Gemeinden nach einer angemessenen Trauer um ihre Gefallenen zu stillen. Dabei versuchte man oftmals ihrem Tod durch Inschriften nachträglich noch einen Sinn zu verleihen.

Den Anstoß zur Umgestaltung des Gedenkortes in Ashausen bildete eine Initiative von engagierten Menschen aus Ashausen, gemeinsam mit der örtlichen St. Andreas Kirchengemeinde und deren Pastorin. Zuvor waren auf dem zugewachsenen Grundstück im Frühjahr 2019 durch eine Aktion mehrerer Vereine eine Reihe von Bäumen gefällt und Büsche gerodet worden. Infolgedessen lag der Gedenkort nunmehr frei auf einer weitest- gehend kahlen, nur mit Rasen bedeckten Fläche und rückte damit plötzlich in das Blickfeld der ansässigen Bevölkerung.

Vor diesem Hintergrund entstand  eine Gruppe aus ca. 30 Personen, die sich seit- dem regelmäßig im Gemeindesaal der Kirchengemeinde traf, um zu diskutieren, wie der Gedenkort („Kriegerdenkmal“) neu gestaltet werden könnte. Mitglieder der Gruppe kamen aus verschiedenen Vereinen und Institutionen, aber es nahmen auch weitere, an dem Thema interessierte Einzelpersonen daran teil.

Die Ashäuser Öffentlichkeit sollte aktiv über den Prozess informiert werden und die Möglichkeit erhalten, an der Gestaltung mitzuwirken. Hierfür wurde eine Internetseite eingerichtet, die Informations- und Beteiligungsmöglichkeiten bietet. Darüber hinaus wurden im August 2019 auf Initiative der Mitglieder des Ge- sprächskreises zwei Infotafeln und ein Briefkasten an dem Gedenkort aufgestellt. Bis zum 30.11.2019 konnten Kommentare, Anregungen und Wünsche in den Briefkasten eingeworfen oder über die Internetseite bzw. per E-Mail abgeben werden.

Neben vielen diskutierten Anregungen, lassen sich folgende mehrheitliche Meinungsrichtungen über die zukünftige Gestaltung des Gedenkortes herauskristallisieren:

Das Mahnmal soll in seinen Grundsätzen erhalten bleiben. Das Eiserne Kreuz soll bestehen bleiben, allerdings ergänzt um eine erläuternde Tafel oder Abbildung zu der ursprünglichen Bedeutung. Der von der Realgemeinde gespendete Stein im Vordergrund des Mahnmals soll unverändert bleiben. Insgesamt soll der Ort um ein Friedenssymbol oder –text ergänzt werden, dass das Mahnmal in einen zeitgemäßen Kontext stellt. Weiterhin ungeklärt ist die Frage danach, wessen gedacht werden soll, hier gehen die Meinungen weit auseinander, allerdings besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass ein Ortsbezug gegeben sein sollte. Aus der Gesprächsrunde wurden zudem die Beibehaltung des Eisernen Kreuzes, sowie die Erweiterung um ein Friedenssymbol bzw. einen Text in Gedenken an die ermordeten europäischen Juden und Jüdinnen diskutiert.

Für die äußere Gestaltung des Platzes herrscht Konsens über die Verbesserung der Aufenthaltsqualität, um Menschen zum Verweilen einzuladen und dadurch eine Auseinan- dersetzung mit der dem Ort zugrundeliegenden Thematik anzuregen. Es sollten Bänke aufgestellt und eine freundliche Bepflanzung angefertigt werden, für eine Abgrenzung im Stadtraum sollen zudem Hecken gepflanzt werden. Gleichzeitig soll die Bepflanzung aber pflegeleicht bleiben und eine Gruppe an Freiwilligen gegründet werden, die sich um die Pflege des Ortes kümmert.