Tafel 26 Dat ole Huus

Tafel 26 Dat ole Huus

Dat ole Huus

Tafel 26

DAT OLE HUUS    
in Ashausen Ein Bericht vom Heimatvereinsmitglied Bernd Degel

Vor etwa 200 Jahren wurden in Deutschland die Bauern frei von der Leibeigenschaft und durften eigenes Land besitzen. Da kaufte ein tatkräftiger Mann für sich und seine Familie ein Stück Land an dem Sandweg, der von Scharmbeck kommt und in Ashausen durch den Mühlenbach führte.

Der Abbauer hatte wenig Geld. Deshalb konnte er sich kein so großes Bauernhaus leisten, wie sie heute noch in der Lindenstraße stehen. Die Lindenstraße war die damalige Dorfstraße mit den großen Höfen von „Bosselmann“, „Jaffens“, „Vinks“, „Geiden“, „Dibbens“, „Bargmanns“, „Rabens“, „Wilkens“, „Kathmaken“. An einigen Höfen kannst Du die Namen noch finden. Andere wurden inzwischen abgebrochen.

Unser kleiner Abbauer baute sich deshalb ein kleines Haus ohne Schornstein. Der Rauch musste durch das Haus ziehen, bevor er zum Uhlenloch raus konnte. So imprägnierte er das Reetdach, die Holzbalken und räucherte die im Fleet aufgehängten Würste und Schinken. Denn das Haltbarmachen war sehr wichtig, weil es ja noch keinen Strom, keine Kühlschränke usw. gab. Der kleine Keller reichte nicht für die vielen notwendigen Wintervorräte. Und weil es so üblich war – und auch praktisch, wurde das „Rauchhaus“ gleichzeitig als „Einheitshaus“ für Mensch und Tier gebaut. Da konnte man sich im Winter auch noch gegenseitig Wärme spenden.

Der Mittelpunkt des täglichen Lebens war das FLEET. Es ist ein Durchgang zwischen der Ost- und Westseite. Hier steht der DINGEN, der Ofen in dem man auch backen und kochen konnte. Hier standen der Tisch, an dem gegessen wurde, der Waschzuber, die Wassereimer, die Wiege mit dem jüngsten Kind – man hatte damals mehr Kinder als wir heute - und hier wurde gestrickt, gesponnen und für die Schule gelernt. Abends saß der Bauer beim Kerzenlicht, reparierte Pferdegeschirr oder rauchte seine Pfeife, bevor er „mit den Hühnern“ ins Bett ging. Er stand auch mit ihnen auf, denn das Tageslicht musste ausgenutzt werden.

Rechts und links vom Fleet liegen die übrigen Räume. Auf der einen Seite ist die „DEELE“ . Hier stand der große Leiterwagen mit Heu und Stroh. Hier liefen Hühner und Gänse, Ferkel und die Katzen. Bei schlechtem Wetter wurde in der Deele gefeiert. Von rechts und links guckten die Kühe und Pferde zu. Die Schweine waren in einem kleinen Gebäude außerhalb untergebracht, im Schweinehaus., das der Heimatverein zu Sanitärräumen umgebaut hat.

Die Familie schlief in den „BUTZEN“, die sich in den Zimmern auf der anderen Seite des Fleets befinden. In einer Stube, der „DÖNS“, wohnte man, in der anderen lebten die Großeltern, die „Altenteiler“.

Nach oben kann man bis unter das REET - Dach schauen. Es wird getragen von „STÄNDERN“

und Querbalken. Weil auf jeder Seite von der Deele eine Ständerreihe das Dach trägt, nennt man so ein Haus auch „ZWEISTÄNDERHAUS“. (Im Museum am Kiekeberg findest du auch Vierständerhäuser).

Dat ole Huus wurde so ca. 100 Jahre genutzt. Dann baute der 1. Feuerwehrmeister von Ashausen ein neues Haus gleich nebenan. Er benutzte das alte Haus nur noch als Stall und Abstellraum. Als es um 2001 fast abbruchreif war, haben Ashäuser Bürger einen Verein gegründet und sanierten nun das Gebäude mit sehr viel Eigenarbeit. Der „HEIMATVEREIN ASHAUSEN“ ist seitdem Besitzer des olen Huuses.

Die bäuerliche Familie

In der Familie bestanden klar definierte Hierarchien. Der Bauer bestimmte als Familienoberhaupt in allen Lebensbereichen über die Hausbewohner. Aber auch die Bäuerin

Hatte großen Einfluss. Ihre Stellung war um so stärker, je mehr sie zum Hof beitrug. Dies bemaß sich auch nach der Größe des Brautschatzes, den sie bei ihrer Hochzeit aus ihrem Elternhaus mitbekommen hatte.

Beim Generationswechsel herrschte das Anerbenrecht: der ganze Besitz ging ungeteilt an einen Erben über; in der Regel war dies der älteste Sohn. Die anderen Kinder wurden als weichende Erben mit einem Brautschatz versehen. Im Idealfall ermöglichten ihnen die Mittel aus dem elterlichen Hof eine gute Heirat oder auch eine Ausbildung als Handwerker.

Hatte der Bauer keine Söhne, erbte die älteste Tochter, und der Schwiegersohn übernahm den Hof. Am Tage der Hochzeit übertrug der Bauer seinen Hof dem Sohn oder Schwiegersohn und zog aufs Altenteil. Als Altvater oder Altmutter bewohnten die Eltern je nach Größe des Hofes eine Stube oder auch ein ganzes Altenteilerhaus. So lange sie konnten, arbeiteten sie auf dem Hof mit.