Tafel 16 Der Faustkeil von Ashausen

Tafel 16 Der Faustkeil von Ashausen

Der Faustkeil von Ashausen

Tafel 16

Ergänzende Informationen zum Versuch einer Altersbestimmung des Faustkeiles von Ashausen aus einem Beitrag von Helmut Büttner, erschienen im Kreiskalender von 1982 S. 39ff

 Die Herstellung und Anwendung des Faustkeiles ist für die Altsteinzeit, das Palälolithikum, (600.000 bis 10.000 v.Chr.) charakteristisch. Form und Größe dieses Gerätes könnte nach Meinung des Archäologen Carl Schuchhardt von dem natürlichen Werkzeug des Menschen, der Hand, abgeleitet sein. Faustkeile wurden in Europa zuerst in der Nähe von oder in den Grotten der felsigen Steilhänge mittel- und südfranzösischer Flusstäler gefunden. Grotten und Felsüberhänge boten sich dem prähistorischen Menschen als natürliche Wohn- und Kultstätte an.

Bei diesen Funden wurden Unterschiede in Form und Bearbeitung des Materials festgestellt. Aufgrund dieser Gegebenheiten entstand eine notwendige Untergliederung des allgemein geläufigen Begriffs Altsteinzeit in einzelne Zeitabschnitte. Sie bekamen die Namen nach dem jeweiligen ersten Fundort in Frankreich. Die zeitliche Einstufung erfolgte anhand gleichzeitiger Funde von Knochen des Menschen und Tieres sowie der angetroffenen geologischen Verhältnisse.

Die ersten noch primitiv ausgeführten Faustkeile gehörten der Faustkeilkultur des Abbevillien an (erster Fundort bei Abbeville/Somme). Mit sehr sorgfältig gearbeiteten Faustkeilen schließt sich die Kulturstufe des Acheuleen an (erster Fund bei St. Acheul). Die nachfolgende Kultur des Mousterien kehrt zu primitiven Formen zurück. Die beiden Seiten des Faustkeiles sind nicht mehr gleichförmig ausgeführt, und die Formgebung erfolgte durch einige kräftige, flächige Abschläge. Damit beginnt das Abklingen der Faustkeilkultur, um in der Jüngeren Altsteinzeit ganz zu verschwinden. Die Lebensbedingungen hatten sich verändert. Neue Formen von Steingeräten wurden entwickelt. Die Verarbeitung von Knochen gewann Bedeutung.

Durch den hier gezeigten Ablauf wird die grobe zeitliche Zuordnung der Faustkeile möglich.

Das Hauptverbreitungsgebiet der Faustkeilkultur liegt in Frankreich. Es folgen Spanien und Afrika; im Norden Belgien; im Osten Süd- und Mitteldeutschland.

An die Möglichkeit einer Verbreitung nach Norddeutschland glaubte man nicht.  Schuchardt

Weist 1941 zuerst auf „unverkennbar der Acheul-Kultur zugehörige“ Faustkeilfunde in den Leineschottern südlich Hannover hin. 1949 erfolgten Veröffentlichungen dieser Funde bei Rethen durch K.H. Jacob-Friesen. Später kamen die Funde von Hannover Döhren hinzu.

 

Für die bisher in Deutschland nördlichsten Funde ist zurzeit keine einigermaßen genaue Altersbestimmung möglich. Dazu wäre es erforderlich, einen Faustkeil in ungestörter Bodenschicht zusammen mit Resten der damals gleichzeitig existierenden Tier- und Pflanzenwelt aufzufinden.

Der bisher älteste Fund eines Steingerätes im Kreisgebiet  - der Faustkeil von Maschen –

wurde vorläufig dem Beginn der letzten Eiszeit vor etwa 50.000 bis 40.000 Jahren zugeordnet. Es wird vermutet, dass er seiner Form nach dem ausgehenden Mousteerien zugehörig ist.

Her Dr. Thieme, Institut für Denkmalpflege in Niedersachsen, mit der Schwerpunktaufgabe Alt- und Mittelsteinzeit betraut, sagt zum Alter des Ashausener Faustkeils folgendes aus:

 

Formenkundlich gehört das sehr sorgfältig zugerichtete Stück in das Jungacheuleen und damit in die vorletzte Eiszeit. Das relative Alter kann demnach, solange keine exakten Daten über die Fundlokalität vorliegen, etwa 100.000 bis 200.000 Jahre betragen. Damit schließt sich Dr. Thieme der mündlich von Dr. Rust, Ahrensburg geäußerten Auffassung „über 100.000 Jahre“ an.

Durch eine Bohrung in der Nähe der Fundstelle am Achterdeich wird die Aufhöhung des 1,9 m Niveaus durch Füllmaterial um ca 0,5 m bestätigt.

Die Entnahme des Füllmaterials der ehemaligen Kiesgrube am Holtorfsloher Weg (Luhering) liegt mit über 30 m ü. NN in den Verschüttsanden (Schmelzwassersanden) des

2. Saalezeitlichen Vorstoßes. Diese Schmelzwassersande wurden von einer warmzeitlichen Geschiebedeckschicht mit einer Dicke bis zu 1 m überdeckt. Das Material entstammte der südlich höher gelegenen Grundmoräne (Saale 2, Entstehung vor ca. 150.000 Jahren). Es kann vermutet werden, dass der Faustkeil von der Oberfläche der Grundmoräne in die Geschiebedeckung der Kiesgrube gekommen ist.

Der Ashausener Faustkeil gehört zu den wenigen Funden, die heute als Beleg für die früheste Existens menschlichen Lebens in Nordeutschland herangezogen werden können.